Bisheriger MDR-Fernsehdirektor erwartet wieder mehr Niveau im Fernsehen
Röhl: Gewalt und Sex bleiben nicht auf Dauer erfolgreich – Jetzt Geschäftsführer von Bibel-TV

L e i p z i g (idea) – Der bisherige Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Henning Röhl, rechnet damit, daß das Niveau der Fernsehsendungen wieder steigen wird. “Man sollte nicht glauben, daß Gewalt und Sex im Fernsehen auf Dauer erfolgreich bleiben”, sagte der 57jährige in einem idea-Interview. Bei Sendungen wie “Big Brother” und “Girls Camp” gingen die Zuschauerzahlen stark zurück, “weil Niveaulosigkeit einfach langweilig wird”. Röhl hat in diesen Tagen sein neues Amt als Geschäftsführer des neuen Bibel-TV angetreten. Nach seiner Einschätzung werden anspruchsvolle Stoffe wieder aufgegriffen. So habe eine Sendereihe des MDR über die Geschichte Mitteldeutschlands eine hohe Quote erreicht. Stark sei das Echo auch auf die jüngst gesendete dreiteilige Dokumentation über die Vertriebenen gewesen, die der MDR für die ARD hergestellt habe. Gerade bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gebe es ein Umdenken hin zu mehr Substanz. Nach Ansicht Röhls wird künftig derjenige den Markt beherrschen, der die besten Inhalte bringt. Das seien vor allem spannende, bewegende Geschichten sowie Spiel- und Ratgebersendungen. Den Christen riet Röhl, nicht nur intern die Fernsehprogramme zu kritisieren, sondern sich an die Sender zu wenden: “Wenn mehr Christen bei blasphemischen, gewaltverherrlichenden und Sexsendungen protestierten, würde sich das positiv im Programm bemerkbar machen.” Zur Frage, wie der MDR sich zum erfolgreichsten Dritten Programm entwickelt hat, sagte Röhl: “Wir sind im besten Sinne des Wortes Heimatsender geworden.” Es sei gelungen, die in der DDR-Zeit fast verlorengegangene Verbundenheit der Bürger zu ihren Wurzeln wiederherzustellen. Durch das MDR-Programm fühlten sich die Sachsen wieder als Sachsen und die Thüringer wieder als Thüringer. Außerdem versuche der MDR, die Sprache der Zuschauer zu sprechen: ohne akademische Floskeln, Fremdworte und Anglizismen.

Stasi-Problem beim MDR: Röhl gesteht Mitschuld ein
Angesichts der bekannt gewordenen Stasi-Verstrickungen von MDR-Mitarbeitern räumte Röhl ein, daß der Sender ein Stasi-Problem habe: “Da haben sich alle, die den MDR mitverantworten – also auch ich – schuldig gemacht. Unser entscheidender Fehler war, daß wir Anfang der 90er Jahre nur die leitenden Mitarbeiter und Programmverantwortlichen überprüft haben, aber nicht auch die vielen freien Mitarbeiter, die unser Programm nach außen oft mehr prägen als die festangestellten Mitarbeiter.”

Bibel-TV will zeigen: Beschäftigung mit dem Buch der Bücher ist spannend
Röhl erwartet, daß es im Fernsehen immer mehr Spartenprogramme geben wird, vermutlich auch mehrere religiöse Programme. Zu den Zielen des Bibel-TV, das noch in diesem Jahr auf Sendung gehen will, sagte der Fernsehmacher: “Wir wollen zeigen, wie spannend es ist, sich mit der Bibel zu beschäftigen.” Neben Bibelfilmen und Dokumentationen sollen auch dramaturgisch aufbereitete Bibellesungen ausgestrahlt werden. “Das hat es in Europa noch nie gegeben”, so Röhl.

Kirche in den neuen Bundesländern noch im Schneckenhaus
Kritisch äußerte sich der EKD-Synodale zum Auftreten der evangelischen Kirche in den neuen Bundesländern. Sie habe sich aus dem Schneckenhaus noch nicht herausbewegt. Die Kirche nutze nicht die Chancen der Demokratie, sich öffentlich und offensiv einmischen zu können: “Damit verspielt sie auch eine große volksmissionarische Chance.” Nach Ansicht Röhls, den in zehn Jahren in Leipzig kein Pastor besuchte, müßte die Kirche auf die Menschen zugehen: “Die erste Postwurfsendung für Neuzugezogene müßte vom Pastor kommen.”



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