HENNING RÖHL - BIOGRAPHIE


Henning Röhl Henning Röhl
deutscher Hörfunk- und Fernsehjournalist

Geburtstag
20. April 1943, Töstrup

Nation
Deutschland

Klassifikation
Journalist
Medienjournalist
Programmdirektor, Medienmanager, Fernsehdirektor

Herkunft
Henning Röhl wurde am 20. April 1943 in Töstrup/Schleswig-Holstein (nahe der dänischen Grenze) geboren. Er ist Sohn eines evangelischen Pastors.


Ausbildung

1949-62 besuchte er die Schulen in Flensburg.
Abitur machte R. 1962 in St. Peter-Ording.
1962-65 studierte er in Wien und Freiburg i.Br. Philosophie, Geschichte und Germanistik.
Ein Volontariat beim SWF in Baden-Baden machte R. 1965/66.


Wirken

Zunächst freier Mitarbeiter beim SWF, wurde R. 1967 Politischer Redakteur im Hörfunk. 1972-75 war er Leiter der Redaktion Politik, zuständig für politische Feature-Sendungen und das tagesaktuelle Programm. In den Jahren 1972-75 baute R. zudem die politische Berichterstattung im Jugendprogramm des SWF-Hörfunks ("Pop Shop") mit auf. 1974 leitete er die Kommission für die Erarbeitung eines neuen Programmschemas für den Hörfunk.

1975 übernahm R. beim SWF die Leitung der neugebildeten Abteilung Politik und Gesellschaft, ab 1978 bekleidete er außerdem die Position des stellvertretenden Chefredakteur beim SWF-Hörfunk. In die gleichen Funktionen holte 1981 der NDR R. nach Hamburg. 1983 wurde er dann Direktor des NDR-Landesfunkhauses Schleswig-Holstein in Kiel. 1986 war R. von der Findungskommission des SFB-Rundfunkrates für den SFB-Intendantposten nominiert worden; er zog jedoch seine Kandidatur einen Tag vor der Wahl zurück. Im Febr. 1988 bestimmten ihn die Intendanten der ARD als Nachfolger des zum Intendanten des Deutschlandfunks gewählten E. Gruber zum Chefredakteur von "ARD-Aktuell" (Tagesschau und Tagesthemen). Das CDU-Mitglied R., dessen politischer Standort "liberal-konservativ" definiert wurde, galt als Pragmatiker, der die Grenzen des politischen Proporzes nicht unnötig strapaziere, als kommunikativ und führungsfreudig.

Gefordert war der ARD-aktuell-Chef u.a. im Juli 1988 nach dem Warnstreik beim NDR, dem die 20-Uhr-Tagesschau zum Opfer gefallen war. Die daraufhin von CDU- und CSU-Politikern erhobene Forderung, die Tagesschau nicht mehr nur beim NDR zu lassen, sondern reihum von allen ARD-Sendern zu produzieren und auszustrahlen, wies R. zurück, "weil der riesige ARD-Aktuell-Apparat sich nicht einfach rotieren lasse", wie er gegenüber dem Hamburger Abendblatt (27.7.1988) sagte. In einen Kompetenzstreit mit Hanns-Joachim Friedrichs, damals Erster Moderator des ARD-Nachrichtenmagazins "Tagesthemen", war R. im Juni 1989 verwickelt. Mit der Ernennung von Friedrichs, der mehr Einfluß auf die Produktion der "Tagesthemen" gefordert hatte, zum "moderierenden Chefredakteur" und seiner Gleichstellung mit dem zweiten Chefredakteur Heiko Engelkes war die Auseinandersetzung beigelegt worden. Einen weiteren Hauskrach in der ARD löste im Dez. 1989 R.s Kritik in Bild an der Arbeit des DDR-Korrespondenten Horst Hano aus.

Von einer "Bilanz, die sich sehen lassen könne", sprach Die Welt (27.10.1990) nachdem das Ausscheiden von R. nach Ablauf des Vertrages (Ende April 1991) wegen Änderung der politischen Machtverhältnisse beim NDR definitiv feststand. So sei die Akzeptanz der "Tagesschau" stabil geblieben, der Stundenrhythmus - seit Okt. 1989 - habe sich bewährt, ebenso die Sonderausgabe der "Tagesthemen" bei besonderen Ereignissen, schrieb Die Welt. Zusätzliche Einnahmen von rund 400 000 DM wurden allein 1990 durch Abgabe von Nachrichtenmaterial an andere erzielt.

Eine neue Aufgabe übernahm R. Mitte 1991 bei der Drei-Länder-Anstalt "Mitteldeutscher Rundfunk" (MDR), zu der sich Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammenschlossen. Mehrheitlich billigte der neunköpfige Rundfunkrat am 19. Aug. 1991 in Leipzig die Personalvorschläge von MDR-Gründungsintendant Udo Reiter für die acht Direktorenposten, die mit einer Ausnahme (Peter Kocks) durch Medienleute aus dem Westen besetzt wurden. Die wichtige Funktion des Fernsehdirektors in der Leipziger MDR-Zentrale übertrug man R. Oktober 1996 (MA-Journal)

MDR-Direktor Röhl kritisiert bei den Münchner Medientagen die Ausgaben des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE. Angesichts eines Marktanteils von 0,2 % spricht er von Geldverschwendunng. ARD und ZDF sind mit insgesamt 210 Mio. DM beteiligt. Kurz darauf nimmt er seine massive Kritik zurück, nachdem er von WDR- und ZDF-Seite für seine Äußerungen scharfe Rügen einstecken mußte.

3. August 2000 (MA-Journal)
In Leipzig wird die neue, 450 Mio. DM teure MDR-Sendezentrale offiziell ihrer Bestimmung übergeben. MDR-Fernsehdirektor Henning Röhl kündigt gleichzeitig an, dass er den Sender nach Auslaufen seines Vertrages im September 2001 verlasse.


Mitgliedschaften
R. ist Mitglied des Vorstandes der Stiftung Deutsches Hilfswerk und des Kuratoriums Schleswig-Holstein-Musikfestival.


Familie
R. ist seit 6. Okt. 1987 mit Andrea Kirchner in zweiter Ehe verheiratet. Beide haben aus ersten Ehen vier Kinder. In seiner Freizeit liest R. vor allem Gedichte und Biographien.


© Munzinger-Archiv GmbH
Aus: Internationales Biographisches Archiv 50/1991 vom 02.12.1991
Letzte Ergänzung durch MA-Journal: 05.08.2000



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