Evangelium für alle frei empfangbar
Der Spartensender Bibel-TV will «nicht kopflastig» sein und setzt auf ein
Bedürfnis nach Werten
Von Frank Rauscher
Gott, ja - es gibt die «RTL-Bibelclips», jene 30-Sekunden-Spots, die der Kölner Privatsender seit fünf Jahren unregelmäßig immer wieder vor «RTL aktuell» um 6.30 Uhr ausstrahlt. Und den ARD-Klassiker «Das Wort zum Sonntag» natürlich, noch immer mutig im Samstagabendprogramm platziert. Aber ein bisschen arg dürftig ist die Verkündung des Evangeliums via TV hier zu Lande schon.
Das soll sich ändern. Zurzeit wird an der Verwirklichung eines ehrgeizigen Projektes gearbeitet: ein Kanal, der 24 Stunden am Tag ausschließlich Biblisches zeigt, ist geplant. Schon im Herbst solls losgehen bei Bibel-TV - in erster Linie mit christlichen Spielfilmen und Bibellesungen.
Die Vertreter von bislang 14 am Projekt Bibel-TV beteiligten Gründern kamen Mitte Januar in Bonn-Bad Godesberg zusammen, um eine gemeinnützige «Bibel-TV Stiftung» aus der Taufe zu heben. Den Anstoß gab der Bonner Verleger Norman Rentrop (43), der mit seiner Zeitschrift Geschäfts-Idee den Grundstein für seinen heute international tätigen Verlag für die Deutsche Wirtschaft legte.
Der Verlag ist in dem Projekt Bibel-TV jedoch nicht involviert. Sein Engagement leiste Rentrop allein als Privatmann, sagt David Wessler, dessen Hamburger Agentur für Medienkommunikation von den Beteiligten mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut wurde.
Initiator Rentrop, laut Wessler «ganz normales Mitglied der evangelischen Landeskirche», wolle sich als Mäzen eher im Hintergrund halten. Wessler bezeichnet Rentrop als gläubigen Menschen. «Was er aber nicht immer war»: Erst vor wenigen Jahren habe er die Bedeutung des Glaubens für sich erkannt, so Wessler über Rentrop, der als Gesellschafter des Senders n-tv Fernseherfahrung gesammelt hat.
Die Motivation der Gründer um Rentrop, sich für einen christlichen Fernsehkanal zu engagieren, fasst der PR-Mann wie folgt in Worte: «Man hat über die Kirche ja heute schnell eine Meinung. Aber wer kennt eigentlich die Bibel?» Seit biblischen Zeiten hätten sich zwar Lebensumstände und Technik drastisch entwickelt, vieles am menschlichen Wesen sei jedoch unverändert geblieben. Nach Meinung der Initiatoren stehe die Gesellschaft gerade am Anfang einer Neuorientierung: «Der neue Materialismus läuft eben irgendwann gegen eine Wand», so David Wessler.
In diesem Umdenken, einem zunehmenden Bedürfnis nach Werten, sehen die Gründer von Bibel-TV die Chance für ihren digitalen Spartenkanal, der via Astra-Satellit zu empfangen sein soll. Die Betreiber gehen zunächst laut Wessler von einer potenziellen Reichweite von fünf Millionen Haushalten aus. Natürlich seien noch viele Details zu klären, aber auf gewisse Grundzüge hinsichtlich der Programmgestaltung hätten sich die Gründer schon geeinigt.
Im Vordergrund stünden natürlich ökumenische Gesichtspunkte. Das Programm werde weder katholisch noch evangelisch geprägt sein, sondern sich auf die Bibel «mit all ihren Aussagen» im Allgemeinen konzentrieren - vor allem mit biblischen Spielfilmen, die, so Wessler, natürlich im Programm wiederholt werden. Außerdem sei an redaktionell aufbereitete, biblische Sendungen mit Liedern und Lesungen - möglicherweise auch mit prominenten Gästen - gedacht. All dies soll auf unterhaltsame Weise präsentiert werden, das Programm dürfe «keinesfalls zu kopflastig» werden. Insbesondere im Nachtprogramm wolle man Suchenden eine Alternative zum sonst wenig christlich geprägten Fernsehangebot bieten.
Gottesdienste werden den Zapper bei Bibel-TV jedoch nicht erwarten. Dieses Feld soll weiterhin den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten überlassen werden. Die Übertragung oder Aufzeichnung sei nicht geplant, da eben etwaige tendenzielle Diskussionen erst gar nicht aufkommen sollen: «Man will sich ja den Start nicht unnötig schwer machen», meint Wessler dazu.
Eines steht für die Gründer und Eigner von Bibel-TV außer Frage: «Das Evangelium soll frei empfangbar sein», so Wessler. Bibel-TV wird also definitiv kein Pay-TV-Kanal werden. Außerdem wurde bei der Gründungsversammlung in Bonn der Verzicht auf Werbung manifestiert. Der Kanal soll über die gemeinnützige Betreibergesellschaft und aus Spendenmitteln finanziert werden.
Mit etwas mehr als 50 Prozent der Anteile wird Norman Rentrop mit Mitteln einer eigenen Stiftung den Großteil der Anschubfinanzierung übernehmen. Die beiden großen Kirchen seien am Projekt Bibel-TV zwar nicht direkt beteiligt, Vorgespräche zielten jedoch darauf ab, dass die beiden Medienunternehmen der Kirchen, die Produktionsgesellschaften Tellux und Eikon, über eine neu zu gründende Gesellschaft etwa ein Viertel der Kosten übernehmen. De jure sei das aber noch nicht unter Dach und Fach.
Mit anderen Partnern seien die Verhandlungen dagegen schon einen Schritt weiter: Die Vereinigung evangelischer Freikirchen, der Hänssler-Verlag aus Holzgerlingen bei Böblingen, das evangelische Missionswerk «Campus für Christen» in Gießen, eine freie evangelische Gemeinde Augsburg und der Evangeliumsrundfunk (ERF) sitzen laut Wessler mit kleineren Beteiligungen bereits im Boot.
Die nächste größere Hürde auf dem Weg zum neuen Spartenkanal ist die Bestellung eines Geschäftsführers. Im Gespräch ist der bisherige Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks, Henning Röhl (57). Aber auch dazu sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, betont Wessler. Dann muss eine Lizenz bei einer Landesmedienanstalt beantragt und erteilt werden. Auf Sendung gehen könne Bibel-TV frühestens im Herbst 2001.
Eigentlich sollte mit einer offiziellen Bekanntgabe des Projektes noch bis März gewartet werden. Eine öffentliche Diskussion, so David Wessler, sollte vermieden werden, ehe das Projekt nicht vollends konkrete Formen angenommen hat. Dass Bild die Gründung von Bibel-TV doch herausbekommen und veröffentlicht hat, sei den Betreibern «nicht ganz recht gewesen». Schließlich sei so eine Auseinandersetzung mit dem Thema in Gange gekommen, die der Startphase wenig dienlich sei. Unter anderem wurden von verschiedenen Vertretern der Kirchen Stellungnahmen veröffentlicht, die die tatsächliche Haltung der beiden Institutionen zum Teil nicht richtig widergespiegelt hätten.
Am Ende wird freilich alleine Volkes, sprich Zuschauers Meinung über den Erfolg des christlichen Senders entscheiden. Die Internetseite DigiTV fühlte bereits vor. Unter www.digi-tv.de/meinungen gab es ein Diskussionsforum zum Thema Bibel-TV. Dort reicht das Spektrum von «Besser als jeden Tag ein neuer Pornokanal» bis «Jetzt könnt ihr endlich mal sehen, wohin eure Kirchensteuer wandert».
Berliner Morgenpost - Dienstag, 23. Januar 2001
Die Frohe Botschaft aus dem All
"Bibel-TV" will nur christliche Filme und Lesungen zeigen
Von Gernot Facius
Bonn - Norman Rentrop (43), der als 18-Jähriger mit seiner Zeitschrift "Geschäfts-Idee" den Grundstein für den heute international tätigen Verlag für die Deutsche Wirtschaft legte, macht mit einem neuen ehrgeizigen Vorhaben von sich reden: Rentrop ist Initiator eines digitalen Fernsehkanals, der rund um die Uhr ausschließlich Bibellesungen- und filme zeigen soll.
Für Donnerstagnachmittag war in Bonn-Bad Godesberg die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft "Bibel-TV Stiftung" geplant. Für die Anschubfinanzierung will Rentrop 13,5 Millionen Mark aus einer Stiftung bereitstellen. Geschäftsführer des Bibel-TV via Astra-Satellit soll der bisherige Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks, Henning Röhl (57), werden, der bereits vor längerem sein Ausscheiden aus öffentlich-rechtlichen Diensten angekündigt hatte.
Röhl bestätigte gestern der evangelischen Nachrichtenagentur "idea" den Wechsel. Die Philosophie des Bonner Verlegers Rentrop, der als Gesellschafter des Senders n-tv Fernseherfahrung gesammelt hat, lautet schlicht: "Bibel pur". Auf bibelexegetische Streitigkeiten will sich der engagierte evangelische Christ nicht einlassen. Rentrop hofft, dass ein Teil des Zapperpublikums irgendwann bei seinem Programm hängen bleiben wird. Der Gründungsversammlung lag ein Papier vor, demzufolge Rentrop 51 Prozent der Anteile übernimmt. Die katholische beziehungsweise evangelische orientierten Produktionsgesellschaften Tellux und Eikon würden sich mit 25,5 Prozent beteiligen. Der Rest entfiele auf die Vereinigung Evangelischer Freikirchen, eine evangelische Freie Gemeinde Augsburg, den von Wetzlar aus operierenden Evangeliumsrundfunk (ERF) und den Hänssler-Verlag aus Holzgerlingen bei Böblingen. Auch das evangelische Missionswerk "Campus für Christus" (Giessen) war zugegen.
Nicht mit im Boot sitzen zunächst die Katholische und Evangelische Kirche Deutschlands. Der Pressesprecher der EKD, Thomas Krüger, sagte der WELT: "Wir begnügen uns vorerst mit einer Beobachterposition." Wie verlautet, war die EKD-Fernsehbeauftragte Johanna Haberer bei mehreren Gesprächen anwesend. Dass es ein christliches Fernsehen "eines Tages" geben könne, wollte Krüger nicht ausschließen.
Der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock (Düsseldorf) hatte in der Vergangenheit die Idee eines "Europäischen Kirchenfernsehens als informatives Medium" zur Diskussion gestellt. Das wäre freilich ein anderes Konzept als das, das Rentrop entworfen hat. Auch auf katholischer Seite blieb man reserviert. Auf die Frage, ob sich die Kirche offiziell an dem Bibel-TV beteiligen werde, antwortete eine Sprecherin unter Berufung auf den Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer: "Nein".
Die Welt, 12.01.01
Halleluja: Bibel-TV kommt
Bonn - Deutschland soll nach BILD-Informationen als weltweit erstes Land einen TV-Kanal bekommen, der ausschließlich Bibelfilme zeigt! Im Herbst soll das 24-Stunden-Programm an den Start gehen, die Betreibergesellschaft wird heute gegründet. Chef wird ein hochrangiger ARD-Manager. Hinter "Bibel-TV" stehen der Bonner Verleger Norman Rentrop (hält die Anteilsmehrheit), die großen Kirchen und christliche Organisationen. Rentrop zu BILD: "Wir wollen Gottes Botschaft per Satellit, Internet und Kabel verbreiten." (ern)
BILD, 11.01.01
Kirchen planen «Bibel-TV»
Hamburg (dpa) - Als erstes Land der Welt soll Deutschland einen Fernsehkanal bekommen, der ausschließlich Bibelfilme und -lesungen zeigt. Das berichtet die «Bild»-Zeitung. Der Vertrag zur Gründung der Betreibergesellschaft für das so genannte «Bibel-TV» soll heute unterschrieben werden. Das 24-Stunden-Programm soll im Herbst an den Start gehen. Chef wird laut «Bild» ein hochrangiger ARD-Manager. Hinter dem Projekt steht neben den Kirchen vor allem der Bonner Verleger Norman Rentrop, der die Anteilsmehrheit hält.
Die Welt, 11.01.01
EKD beobachtet Pläne für „Bibel-TV“ mit Interesse
Weder evangelische noch katholische Kirche sind an dem Projekt beteiligt
HANNOVER/BONN (AP). Pläne für einen „Bibel-TV“-Sender, der ausschließlich Bibelfilme und -lesungen zeigt, sind bei der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) auf großes Interesse gestoßen. „Im Moment beobachten wir erst einmal interessiert, was daraus wird. Die EKD ist an der Gründung dieses Unternehmens nicht beteiligt. Wir stehen aber in Verbindung und werden informiert über diese Initiative“, sagte EKD-Sprecher Thomas Krüger am Donnerstag in Hannover.
Die „Bild“-Zeitung berichtete, der Bonner Verleger Norman Rentrup stehe hinter dem geplanten neuen Fernsehkanal, der im Herbst an den Start gehen solle. „Wir wollen Gottes Botschaft per Satellit, Internet und Kabel verbreiten“, zitierte die Zeitung Rentrup.
Die Deutsche Bischofskonferenz erfuhr von dem Projekt erst aus der Presse. „Wir sind nicht beteiligt. Da sich das Projekt meiner Kenntnis entzieht, möchte ich es auch nicht kommentieren“, sagte die Sprecherin der Bischofskonferenz, Martina Höhns, in Bonn. Die Bischofskonferenz sei mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr zufrieden. Hier hätten kirchliche Themen eine gute Chance.
Giessener Anzeiger, 11.01.01
Als erstes Land der Welt
Kirchen planen "Bibel-TV"
Hamburg (dpa). Als weltweit erstes Land soll Deutschland einen TV-Kanal bekommen, der ausschließlich Bibelfilme und -lesungen zeigt. Das berichtet die "Bild"-Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe. Der Vertrag zur Gründung der Betreibergesellschaft für "Bibel-TV" solle heute unterschrieben werden. Das 24-Stunden-Programm soll dem Bericht zufolge im Herbst an den Start gehen, Chef werde ein "hochrangiger ARD-Manager". Hinter dem neuen Fernsehsender stehe der Bonner Verleger Norman Rentrop, der die Anteilsmehrheit halte, sowie die großen Kirchen in Deutschland und christliche Organisationen. Rentrop zu "Bild": "Wir wollen Gottes Botschaft per Satellit, Internet und Kabel verbreiten."
Neuß-Grevenbroicher Zeitung, 11.01.01
News Medien
Bibel-TV geht im Herbst auf Sendung
Der digitale Sender Bibel-TV will sein 24-stündiges Programm über den Satelliten Astra ausstrahlen. Die Anlaufinvestitionen in Höhe von 13,5 Millionen Mark stellt Norman Rentrop, der Aufsichtsratsvorsitzende des Bonner Verlages für die Deutsche Wirtschaft, aus einer Stiftung zur Verfügung. Betrieben wird der Sender von 15 Gesellschaftern, die sich in der gemeinnützigen Gesellschaft Bibel-TV Stiftung zusammengeschlossen haben. Vorsitzender ist Norman Rentrop. Bibel-TV will unter anderem Bibelverfilmungen und Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament bringen.
Horizont Net, 11.01.01
Gottes Wort demnächst per Kabel?
Bibel-TV rund um die
Uhr: Ein Bonner Verleger will einen Fernsehkanal gründen, der sich
ausschließlich mit dem Buch der Bücher befasst.
FRANKFURT (MAIN). Die Gründungsversammlung für das TV-Projekt finde an diesem Donnerstag in Bonn-Bad Godesberg statt, bestätigte eine Sprecherin des Bonner Verlegers Norman Rentrop , der daran beteiligt ist. Der eigenständige Kanal solle Bibelfilme, Bibellesungen sowie mit Bibelzitaten unterlegte Landschaftsbilder senden und (so jedenfalls zitiert die Titelseite der Bild-Zeitung den Verleger) «Gottes Botschaft per Satellit, Internet und Kabel verbreiten».
Wie die Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johanna Haberer, sagte, würden sich die beiden großen Kirchen als Institutionen nicht beteiligen, möglicherweise aber eine »noch zu gründende ökumenische Filmgesellschaft«. Die Deutsche Bibelgesellschaft (Stuttgart) ist laut ihrem Pressesprecher an einer »kleinen Beteiligung« interessiert. An der Gründungsversammlung nimmt nach Angaben des MDR auch der MDR-Fernsehdirektor Henning Röhl teil. (epd)
Netzeitung, 11.01.01